Klosteranlagen in und um Lhasa
Wenn man Tibet besucht, dann gehören natürlich die buddhistischen Klöster mit dazu, unabhängig davon, ob man sich im Buddhismus und in der Geschichte Tibets auskennt oder nicht. Um es vorwegzunehmen: Wir sind Laien, wir besuchen diese Anlagen und bewundern die Kunst, die in Form von Gebäuden, Malereien und Stickereien zu bewundern ist. Wir beobachten die Menschen und den Betrieb und versuchen, ein klein wenig davon zu verstehen. Sehr vieles wird offen bleiben, aber es ist für uns nicht das Ziel der Reise, alles zu verstehen, aber wir möchten vieles sehen und erleben.
Aus der geschichtlichen Entwicklung: Früher soll es in Tibet über 6000 Klöster gegeben haben. Die meisten wurden aber im Rahmen der Kulturrevolution zerstört. In den letzten 20-30 Jahren wurden religiöse Aktivitäten wieder geduldet und ein Teil der Klöster wieder aufgebaut, aber strikte kontrolliert. Heute sind es noch ca. 2000 Anlagen. Mit der rasant steigenden Anzahl Touristen in Lhasa (und mit der Bahn werden es laufend noch mehr sein) werden die Klöster um die Stadt herum förmlich von Besuchern überschwemmt. Wieweit unter diesen Umständen ein normaler Klosterbetrieb möglich ist glauben wir nicht, und das ist bedenklich. Manchmal hat man den Eindruck, dass einige der Klöster nur noch Museen sind als Touristenattraktion. Den Chinesen soll’s recht sein, denn sie kassieren von jedem Besucher eine Eintrittsgebühr von 3 bis 15 Franken, lediglich die Spenden gehen an das Kloster.
Wir haben bis jetzt einige der Klöster auf dem Weg nach Lhasa und in Lhasa selbst besucht. Wir möchten hier keine Fotoreportage der einzelnen Anlagen machen, sondern nur ein paar Bilder von den einzelnen Besuchen zeigen. Normalerweise (d.h. speziell in den grösseren Klöstern) darf man innerhalb der Gebäude nicht fotografieren, was natürlich schade, aber absolut verständlich ist.
Hier die Bilder von Klöstern, heiligem Wasser, einem Geburtstag, einem Hirsch, vom Chefmechaniker Günther, von chinesischen Hängegleitern, …. usw.
Reting +
Frauenkloster
Reting (1057 erbaut) hat eine fantastische Lage, trotz der grossen Höhe (4200MüM) liegt es inmitten von Fichtenwäldern, sonst ist in dieser Höhe nirgends ein Baum anzutreffen. Der Betrieb im Kloster ist auf einem Minimum, vielleicht waren die meisten Mönche gerade in einem anderen Kloster beschäftigt. Die einst sehr grosse Anlage ist nur zum Teil wieder rekonstruiert, gut 1/3 liegt immer noch in Trümmern, wir wissen nicht, ob hier noch weiter aufgebaut wird.
Nicht weit weg von Reting steht ein zugehöriges Frauenkloster, dem wir auch einen kurzen Besuch abstatteten. Was auffällt: Frauenkloster sind sauber, hell und es herrscht eine fröhliche Stimmung. Die Männerkloster dagegen wirken auf uns eher bedrückend, die Räume meist dunkel und „schmudelig“.

Reting Klosteranlagen
mit Blick ins Tal
Gebetssaal Innenhof

Himmelsbestattungsplatz: Die
Toten werden hier im Rahmen eines Neben
der Klosteranlage fanden wir einen schönen Stellplatz mit
Rituals vorbereitet und den
Geiern übergeben Sicht
ins Tal und in die gegenüberliegenden Berge

Schöner Spaziergang durch
Wachholder und Gebetsfahnen
gibt es überall
Fichten zum nahe gelegenen Frauenkloster

Die Frauen wohnen in diesen
Häusern am Hang Kerzen
im Gebetssaal werden bereitgemacht

Bibliothek Buddhastatue
mit den von den Pilgern geschenkten
Seidenschals, in den Bechern im Vordergrund ist
heiliges Wasser und die ewig brennenden Kerzen
verbrennen die von den Pilgern mitgebrachte
Yakbutter.

Die Küche, hier werden auch
alle Besucher mit Buttertee und Wohnraum
im Frauenkloster
Zampa (Gerstenbrei) bewirtet

Sehr schöne Gebetstrommel.
Diese gibt es natürlich
bei allen Klöstern und in
allen Grössen
Drigung Til
Hoch über dem Tal und von weitem sichtbar liegt die im Jahre 1179 erbaute Anlage. Grosse Teile davon sind wieder restauriert, aber die Wiederherstellung ist immer noch in vollem Gang.

Drigung Til

Mit Gold und Edelsteinen reich verzierte
Buddhastatue Eine Gruppe von Mönchen formiert sich zu
einem Zug, um im Tal beim Fluss für Regen zu beten. 1 Stunde später regnete es
wirklich ……
Tidrom Nunnery
(Frauenkloster)
Tidrom Nunnery ist ein kleines Frauenkloster in einem Seitental, am Zusammenfluss zweier Bäche. In der Nähe gibt es heisse Quellen, denen Heilkraft zugesprochen wird. Leider haben wir es nicht ausprobiert, aber wovon sollten wir denn schon geheilt werden? Wir konnten einer Gebetszeremonie beiwohnen und anschliessend war der Hunger grösser als der Drang nach einem Bad, so begaben wir uns denn halt in das Klosterrestaurant.

Schön im steilen Tal gelegen
schmiegen sich die Häuser an den Hang

Quer übers Tal sind die
Gebetsfahnen gespannt Bekannt
sind hier auch die heissen Quellen, hinter der Wand sind die
Badebecken
für Männer und Frauen.

Teil der verrauchten
Klosterküche, ob wir es riskieren sollen?? Wir
riskierten es, und es war ok., neben Buttertee gab es sogar
Cola und Bier!
Ganden
Das Kloster Ganden ist das Zentrum des Ordens der Gelbmützen und wurde 1409 gegründet. Wir hatten den Eindruck, dass in diesem Kloster wirklich etwas läuft. Neben den zahlreichen Mönchen gab es immer viele Gläubige, die hierher pilgern. Die Gläubigen besuchen die einzelnen Kappellen und bringen gaben (Geld und Yakbutter für die zahllosen Kerzen), und sie begeben sich betend auf die Kora, einem Rundgang um die Klosteranlage (immer im Uhrzeigersinn!).
Zufällig vernahmen wir, dass in Ganden 2 Tage nach unserem geplanten Besuch ein grosses Fest stattfindet wird. Natürlich änderten wir die Pläne und warteten ab. Es lohnte sich. Einmal im Jahr wird eine riesengrossen Thangka mit dem Bild von Tsongkhapa, dem Gründer der Gelugpa-Bewegung (auch bekannt als Orden der Gelbmützen), Reformator und Erbauer von Ganden, Trepung und Sera für gerade mal 2 Stunden gezeigt. Für diesen Moment reisen Gläubige von weither an. Bereits in der Nacht vor dem Fest fuhren pausenlos Busse mit Pilgern und Traktoren mit allerlei Material für Markstände den Berg hinauf zum Kloster. Wir campierten auf einem fast flachen Stück an der Strasse unterhalb des Klosters. Wir wussten natürlich nicht, dass das dann der Park- und Wendeplatz für alle Busse war. Nun gut, wir schliefen kaum, aber es war spannend.

Ganden liegt sehr schön in
dieser „Bucht“, ganz oben am Hang Die
Strasse nach Ganden windet sich mit gleichmässiger Steigung
den Hang hinauf

Der steile Hang unterhalb Ganden
eignet sich auch für Hängegleiter. Chefmechaniker Günther im Einsatz: Unser
Begleitfahrzeug konnte
Ein chinesisches Team wartet
hier auf eine günstige Startgelegenheit, nicht
mehr starten. Nicht erstaunlich beim Zustand der Zündanlage!
der Wind war aber fast den
ganzen Tag zu böig, erst gegen Abend Mit neuem Unterbrecher und neu eingestellter
Zündung war dann
klappte es dann nach
2 Stunden für’s erste alles wieder ok.

Oberhalb des Kloster:
Eigentlich ist das eine Versammlungs-
und Gebetsräume, und Unterkünfte für die Mönche
Antennenanlage für das
Flugleitsystem des
Flughafens von Lhasa, aber die
Gebetsfahnen
scheinen diese Funktion nicht zu beeinträchtigen

Blick ins Tal, unten in der
Kurve warten unsere 3 Camper auf uns. Der
Glanz dieses Daches zeiht fast magisch an

Das sieht sicher besser aus
als es tönt!! Dank des zuständigen Mönchs Ganden
Halten wir zwar die
Instrumente ganz korrekt, aber darauf zu spielen
ist etwas anderes.

Typischer geschnitzter und bemalter
Türeingang Überall
auf den Dächern und in den Gärten stehen sie: Sonnen-
reflektoren,
das Sonnelicht wird auf den Wasserkessel gelenkt und
schon
bald kocht das Wasser denn auch.

8. August: Laura’s Geburtstag
wird schon bald nach dem Frühstück Interessierter
Zuschauer.
mit einem Glas Weisswein
(unsere letzte Flasche Johannisberger!)
gefeiert. Am Abend ging’s dann
weiter mit einem Apero, wobei
unser Rotweinvorrat fast
aufgebraucht wurde.

Am Morgen des grossen Festes wird
vorbereitet, mit Ständen und in
der Klosterküche, hier wird gerade das Gemüse gespült

Der grosse Moment beginnt: Die
Thangka wird herbeigetragen, an
den vorbereiteten Seilen angehängt und aufgezogen

Langsam wird auch die
Abdeckung hochgezogen und gibt den Blick frei auf das riesige Gemälde

Für die Gläubigen ein grosser
Moment, die Thangka hängt Den
Blick etwas getrübt vom Insenz, das überall in grossen Mengen
verbrannt wird

Zufriedene Menschen am Fest
Die
Bettler gehen heute nicht leer aus

Nachdem die Thangka wieder
aufgerollt war, gingen die meisten Unser
„Campingplatz“ wurde über Nacht zum Bussbahnhof!
Zum gemütlichen Picknick über.
Norbulinka, die
Sommerresidenz in Lhasa
Norbulinka, ein Gelände im südwesten des Potala gelegen war die Sommerresidenz des 7., 8., 13. und 14. Dalai Lamas. Die zentralen Gebäude sind gut gepflegt und als Museum zugänglich, der Rest der Anlage scheint langsam zu zerfallen. Typisch: Wo immer die Chinesen etwas gestalten, gibt es jede Menge wunderschöne Blumen, so auch hier. Der Innenausbau und die Ausstattung zeigen einen Teil des Prunks der damaligen Bewohner.

Eingang zur Residenz Hier
wurden Staatsoberhäupter vieler Länder empfangen

Pavillons inmitten einer
Wasseranlage Wo
es Touristen gibt, da fehlen auch die Souvenir-
VerkäuferInnen nicht
Drepung
Drepung, 1416 gegründet, liegt 10km westlich von Lhasa. Es war einmal eine sehr wichtige Anlage, nicht nur wegen seiner Grösse mit bis zu 10'000 Mönchen, sondern wegen seiner Funktion: Es war das politische Zentrum der Dalai Lamas, hier wurden wichtige Entscheide über die Führung Tibets getroffen.
Heute ist die Anlage sehr touristisch, mit Wegweisern wird man durch das Gelände geführt und anstatt mehrere Tausend Mönche gibt es noch ein paar Hundert.

Drepung

Drepung Neue
Treppen für die Touristen

Gebetsmühlen beim Eingang Freudiger
oder trauriger Job? Speziell hier in Drepung kamen uns
die Mönche oft vor als Museumswächter und Geldzähler
(Opfer-
gaben
der Pilger).

Vom Dach: Blick in die Berge
…. …
und in die Talebene von Lhasa, welche in einem rasanten Tempo
Überbaut
wird. Die Ruinen im Vordergrund sind das Resultat der
Bombardierungen durch die Chinesen während der
Kulturrevolution!!
Jokhang
Der Jokhang gilt als Tibets Nationalheiligtum. Das höchste Ziel einer Pilgerreise eines lamaistischen Buddhisten bildet der Jokhang, eine Klosteranlage im Zentrum Lhasas, deren Bau ins 6. Jahrhundert zurückgeht. Im Verlaufe der Zeit wurden viele Teile davon erneuert, neu gebaut oder angebaut. Im Rahmen der Kulturrevolution 1950 wurde dann sehr vieles zerstört. 1959 verbot die chinesische Regierung religiöse Zeremonien im Jokhang, und ab 1965 wurde das Gebäude geschlossen. Erst 1979 konnte der Jokhang nach umfangreichen Renovationen wieder eröffnet werden. Praktisch sämtliche früheren Statuen waren zerstört worden und mussten neu erstellt werden. 1990 wurde eine weitere Generalüberholung durchgeführt.
Jeweils Montags, Mittwochs und Freitags können die Gläubigen den Jokhang gratis besuchen, und alle Tempel im Innengebäude sind dann offen. Wir waren am Mittwoch dort (nicht gratis, denn wir sind Touristen und nicht Pilgerer, und das ist auch richtig so), und wir waren erstaunt über das Gedränge der Pilger. Von Kapelle zu Kapelle wurde in Einerkolonne angestanden, und es brauchte Geduld, bis wir überall durch waren. Wir bewunderten die Kunstwerke, die in den Kapellen vorhanden waren und staunten ob all dem Schmuck, mit dem die Statuen verziert sind.

Der Jokhang

Die Gläubigen praktizieren
Niederwerfungen, bevor sie in die Im
äusseren Rundgang, entlang der Gebetsmühlen. Innen waren
Tempel hineingehen dann
keine Fotos mehr erlaubt
Auf dem Dach, im Hintergrund der Potala Neubauten
direkt neben dem Jokhang

Rundgang auf dem Dach Rundgang
auf dem Dach

Rundgang auf dem Dach „Rad
der Lehre“ über dem Haupteingang und den Gazellen,
als
Erinnerung an die erste Predigt Buddhas im Gazellenhain
von
Benares

Die vergoldeten Dächer des
Jokhang

Die vergoldeten Dächer des
Jokhang

Blick in den Innenhof Blick
in den Innenhof
Potala
Die heutigen Gebäude des Potala’s wurden ab 1645, damals durch den 5. Dalai Lama erbaut. Den Potala, das Wahrzeichen Lhasas in kurzen Worten zu beschreiben ist sehr schwierig, ich überlasse das deshalb den Spezialisten und zitiere aus dem DUMONT Kunstführer, dort steht folgendes dazu:
„Nah und doch fern und
surreal wie eine Manifestation überirdischer Realität ragt er in den Himmel
empor. Majestätisch, eigenartig, unbegreifbar, gleich einem nie endenden
Schauspiel der Illusion, einem Monument aus einer anderen Welt. ……. Ein prächtigeres und angemesseneres Bauwerk
als der Potala hätte sich schwerlich als Residenz der Dalai Lamas bauen
lassen. …“
Hier ein paar nüchterne Zahlen dazu: 13 Stockwerke, 360m Wehrmauern (bis 5m dick), 110m hoch über der Stadt, 999 Zimmer, 130’000m2 Fläche, usw.
Zurück zur Realität: Der Potala war während ca. 300 Jahren das religiöse und politische Machtzentrum Tibets. Der Potala musste während der Kulturrevolution nicht das Schicksal der meisten Klöster teilen und wurde weitgehend verschont. Heute ist er sicher immer noch das Wahrzeichen Lhasas, man kann einen kleinen Teil des Gebäudes mit seinen Inneneinrichtungen als Museum besichtigen (es werden täglich im Schnitt 1'500 Besucher durchgeschleust, für den Rundgang gibt es 75 min Zeit, dann muss man wieder raus). Der Besuch kostet 16 Franken und innerhalb der Mauern darf nicht fotografiert werden. Das heutige Machtzentrum liegt aber in Peking, die „autonome Region Tibet“ wird an einer sehr kurzen Leine geführt, und zwar politisch wie religiös.
Natürlich haben wir den Rundgang auch gemacht, hier unsere Eindrücke (anstelle von Bildern!): Der Rundgang führt durch ein Gewirr von Gängen und Räumen und der Prunk, der hier zu sehen ist, ist unglaublich! Seien es vergoldete Wandmalereien, Thangkas oder Mobiliar. Dazu kommen die unzähligen fantastischen Statuen und als Maximum die verschiedenen Stupas der verstorbenen Dalai Lamas, die alle für sich mehrere Zentner Gold und unzählige Edelsteine aufweisen.
Aussenaufnahmen konnten wir machen, hier sind einig:



Gleich hinter dem Potala
breitet sich das moderne Lhasa aus

Renovation der Mauern nach
überlieferter Methode durch Am
Schluss des Rundgangs, mit einem von einem
tibetische Frauen, mit viel
Gesang Mönch
gesegneten Schal und müde von den
vielen Treppen