Tholing –Tsaparang – Königreich Guge
Was in Lhasa nicht möglich war, erreichte unser Reiseführer Everest in Darchen bei einem Gespräch mit dem Polizeichef: Wir erhielten eine Bewilligung für den Besuch von Tholing und Tsaparang, dem Hauptort des früheren Königreiches Guge, und zwar mit den eigenen Fahrzeugen!! Ausser auf die Ruinen des früheren Königreiches waren wir auch sehr gespannt auf die Reise dorthin, denn es soll eine der schönsten Landschaften von ganz Tibet sein, wir wurden nicht enttäuscht!
Von Darchen nach
Tholing
Zuerst gings ca. 180km auf der Hauptstrasse weiter in Richtung nord/west, das war nicht viel neues für uns, doch dann, bei Namru bogen wir links ab auf die Naturstrasse, die uns über mehrere hohe Pässe (5200m bis 5400m) führte, und das Finale war eine Superfahrt von 30km durch das Bachbett eines Flusses, der bei Tholing in den Sutlej mündet.
Anstatt mit viel Text wollen wir versuchen, die Schönheit dieser Gegend mit einigen Bildern hinüberzubringen.

Typisches Nomadenzelt dieser
Gegend, wegen der Seilab- Hier
würden wir eigentlich lieber ein paar Tage stehen beleiben …
Spannungen heissen sie auch
„Spidertents“ (Soinnenzelt)
Und die Chinesen bauen weiter,
die Strasse bis Ali ist schon bald fertig, hier werden in einem Konvoi von 5
LKW ca. 200 Leitungsmasten
auf die Baustellen gebracht

Kaum zu glauben: Von weitem
sahen wir diese Bögen, doch erst kurz davor realisierten wir, dass hier die
asphaltierte Strasse nach Ali
begann. Bis in spätestens 2
Jahren wird dann die ganze Strecke von Lhasa bis Ali so aussehen.

Bereits nach wenigen
Kilometern war für uns die Herrlichkeit zu Bei
der Mittagspause fuhr ein chinesischer Offroader in unser
Ende, wir bogen links ab und
fuhren in Richtung Tholing auf „Camp“
und zeigte uns stolz sein Fahrzeug mit Zubehör.
der für uns gewohnten
Schotterstrasse weiter.

Karge, aber wunderschöne Landschaften

Bald schlängeln wir uns den Hang hinauf zum ersten Pass, und
am Horizont zeigen sich die ersten schneebedeckten Gipfel
des Himalaya.

Die kleinen beigen Punkte in
der beigen Landschaft sind Rehe, Fantastische
Pastelltöne
leider lag mit unserem Zoom
nicht mehr drin, sorry.

Auf dem Pass befestigten Hans
& Doris die Gebetsfahnen, die sie Nomaden
auf 5000m Höhe, das ist ein hartes Leben! Aus dem Zelt-
von zu Hause mitgenommen
haben. Mirabai ist auch dabei. Dach
ragt das Kaminrohr vom Kochherd, wo getrockneter Jak-
Woher der starke Wind weht
sieht man an ihren Ohren! und
Geissenmist verbrannt wird

Wetterlage und Höhe
versprachen eine kalte Nacht und ausgerechnet hier fanden unsere Begleiter
keine Unterkunft, Everest schlief in
seinem Zelt, Chu übernachtete
im Auto. Beide froren trotz allen Decken die wir entbehren konnten, ganz
jämmerlich. Am Morgen
hatten auch wir Probleme,
unsere Dieselgeräte (Kocher und Heizung) funktionierten nicht mehr, wir hatten
zuwenig Antigel in den
Diesel geschüttet! Doris
betrieb einen Heisswasser-Service, so kamen auch wir trotz allem noch zu einem
heissen Tee!

Landschaft, ohne Worte Die
Passtrasse windet sich empor, die einheimische Toyota-Fahrer
nehmen
in der Regel die Abkürzungen (Diretissima).

In der Regenzeit dürfte es
hier schwierig werden. Auf
dem nächsten Pass

Kurzer Stopp auf dem Pass um
die Landschaft zu geniessen Trotz
Höhe und Temperaturen findet man immer wieder ein
paar
Pflanzen.

Originelles Teehaus, das die
wenigen Passanten zu einer Rast Auf
der anderen Seite der Pässe geht die Fahrt durchs Bachbett
einlädt. weiter.
Das ist der Beginn einer äusserst eindrücklichen Reise.

Das Bachbett, einmal breit,
einmal eng, war problemlos zu befahren.
Die Steilwände glichen manchmal riesigen Kathedralen,
Häuserreihen, Schlössern oder
waren ganz einfach kaum beschreibbare bizarre Formationen, die über
Jahrtausende entstanden sind.

Ohne Worte

Ohne Worte

Ohne Worte

Ohne Worte

Die Schlucht öffnet, sich der
Fluss (zumindest in der Regenzeit) Stellplatz
kurz vor Tholing, mit Sicht …..
ergiesst sich in den Sutlej,
welcher auch in der Trockenzeit Wasser
bringt

… auf den Sutlej Entlang
dem Sutlej hat es vor Jahrhunderten einmal
Höhlen-
bewohner
gegeben.
Tholing und Tsaparang
Tholing und Tsaparang sind Ruinenstädte des früheren Königreiches Guge. Gegründet im 9. Jahrhundert erlebte das kleine Königreich bald eine Blütenzeit als Handelsplatz zwischen Tibet und Indien. Die Könige von Guge waren stark um die Verständigung zwischen den buddhistischen Kulturen von Indien und Tibet bemüht, die Lamas von Guge wirkten sehr nachhaltig als Übersetzer buddhistischer Schriften ins Tibetische, und unter der Leitung von Guge wurden über 100 neue buddhistische Klöster im Tibet gegründet. Die bedeutendsten Klöster blieben aber diejenigen von Tsaparang und Tholing. Erst im 17. Jahrhundert mit reduzierte sich die Bedeutung von Tholing und Tsaparang, wo einst tausende von Leuten lebten. Teile der Anlagen zerfielen, die Klosteranlagen selbst aber blieben. Diese wurden dann 1966 von den roten Brigaden mit Granatfeuer weitgehend zerstört, heute sind nur noch die Ruinen zu sehen, bis auf einige Gebäude, die unter chinesischer Leitung „restauriert“ werden, denn die Touristen wollen schliesslich etwas sehen für ihr Geld, und das wiederum sammeln die Chinesen bei jeder Gelegenheit und sehr effizient ein. Die Restaurierungen sind unter Fachleuten sehr umstritten, da sie fachlich scheinbar mehr zerstören als wiederherstellen.
Heute ist Tholing eine chinesische Militärstation.
Tholing

Die Ruinen von Tholing, am
Hügel hoch über der heutigen Stadt es blieb nicht viel übrig nach der
Bombardierung

Die Klosteranlage in der Stadt
selbst wird im Moment restauriert, Kultur
und Kitsch: Vor der Stupa haben die Chinesen einen
innen gibt’s aber noch nichts
zu sehen. metallenen
Elefanten à la Hollywood hingestellt, die Bedeutung
ist
uns nicht klar

Der alte Stadtteil von
Tholing, die grossen Brennholzreserven lassen auf einen harten Winter
schliessen.

Spaziergang in der Altstadt Grosse
Treibhäuser für den Gemüseanbau. Die Kunststoffplanen
schützen
vor direkter Sonne und nachts vor der Kälte.
Immer in der Nähe chinesischer Siedlungen, wie auch
hier in
Tholing, bauen die Chinesen Gemüse an. Das zeigt, was
alles
hier im Tibet wachsen könnte, doch die Tibeter machen
da
noch nicht mit. Wir jedenfalls kauften eifrig frisches
Gemüse ein!

Diese farbigen Betonplatten
sind Standart für Trottoirs in China und werden hier gleich vor Ort hergestellt
Tsaparang

Auf dem Weg nach Tsaparang,
entlang dem Sutlej, fahren wir durch wilde, ausgewaschene Landschaften

Eine Lehmwand, sieht aus wie
Kalkformationen Ein
Blick über das Tal hinüber zeigt die dort vorhandenen Höhlen aus
früheren Zeiten

Tsaparang: Dieser ganze Hügel
ist durchsetzt mit Höhlen und Tunnels, und bebaut mit Kapellen und Palästen,
hier wohnten einmal
mehrere tausend Leute

Wohnlage mit bester
Aussicht! Für die Ernährung der vielen
Leute muss die Ebene einmal wesentlich grüner gewesen sein, denn dort muss es
Weideland und Ackerbau gegeben
haben.

Der Aufstieg zum Palast ist
steil aber problemlos über die restaurierten Treppen.
Lhakhang Karpo, die weisse
Kapelle hat die ältesten und wichtigsten Lhakhang Marpo, die rote Kapelle
entstand um 1470, die Wandmalereien
erhaltenen Wandmalereien in
Tsaparang, sie entstanden im 15. und hingegen
sind jünger als diejenigen in der weissen Kapelle, sie ent-
16. Jahrhundert, enthalten
aber Elemente Buddhistischer Kunst aus standen
erst kurz vor dem Zerfall des Königreiches im 17. Jahrhundert.
dem Kashmir des 10.
Jahrhunderts. Auch die Deckenmalereien sind Auch
hier sind die Statuen stark beschädigt, die Malereien hingegen
sehr gut erhalten, die meisten
der Statuen hingegen wurden ein sehr
gut erhalten. Bemerkenswert ist das Eingangstor mit den konzentrischen
Opfer der Kulturrevolution. Torbögen,
sie sind original und sehr gut erhalten.

Impressionen aus vergangenen
Zeiten


Aufstieg im Tunnel Aussicht
aus dem Tunnel
Geschafft, wir sind oben!

Der Sommerpalast, ganz oben
auf dem Berg ist gut erhalten/restauriert und bietet einen fantastischen
Ausblick über das Tal
Der Winterpalast besteht aus 7
Kammern, die 12m unter der Oberfläche in den Berg gebaut wurden, erreichbar
über enge Tunnels und Treppen.

Auf dem Rückweg von Tsaparang
nach Tholing fanden wir diesen idyllischen Platz bei den Sandornbüschen am
Wasser. Doch der Friede
währte nicht lange, scheinbar waren
wir zu nahe an einem Militärlager, denn die Polizei holte uns dort ab und wies
uns den kahlen aber
bewachten Stellplatz bei einem
staatlichen Hotel mitten in Tholing für die Nacht an. Zudem unterliess es unser
Guide, uns in Tholing bei
der Polizei zu registrieren,
was in diesem militärisch-sensitiven Gebiet schon fast ein Vergehen war. Er
konnte eine Anzeige vermeiden,
indem er den Polizeichef und
seine Mitarbeiter die halbe Nacht lang mit Speisen und Getränken bis zum
Umfallen bewirtete. Es kostete
ihn einen halben Monatslohn ….
Von Tsaparang zurück
nach Darchen
Für die Rückfahrt nach Darchen konnten wir teilweise eine andere Route nehmen als auf dem Hinweg, auch hier waren wir begeistert von der fantastischen Landschaft.

Die Pferde suchen sich das zu
dieser Jahreszeit sehr karge Futter Schon
bald beginnt der Anstieg, wir kommen aus dem Flusstal des
zusammen, aber sie können
kilometerweit wandern, bis sie satt Sutlej
in die Berge, denn die Hauptstrasse nach Darchen liegt auf
sind, kein Zaun hält sie davon
ab. der
anderen Seite der Bergkette.

Wir sind immer wieder
erstaunt, was in der Wüste alles wächst


Steil und mit vielen Kurven
geht’s hinauf

Oben angelangt finden wir den
idealen Stellplatz für die Nacht, Aussicht sowie Sonnenuntergang inklusive

Abschiedsfotos aus einer
fantastischen Gegend

Fast unglaublich intensiv sind
die Farben dieser Hügel, unten im Talboden ist eine Salzpfanne, an den Hängen
wird es farbig.
Hier muss es gemäss unserer
laienhaften Überlegungen diverse Mineralien geben.

Zurück auf der Hauptstrasse,
vorbei an Nomadenzelten und Yakherden in Richtung Darchen

Kurz vor Darchen sehen wir
wieder die uns bekannten Berge, der Mt. Kailash und der Gurla Mandata, unser
Ausflug nach Guge ist zu Ende.

Das ist Karl, von Oesterreich
aus mit dem Fahrrad unterwegs.